St. Klara - News 28. Oktober 2017

500 Jahre Reformation – Reformation und Gegenreformation

Vortrag in St. Klara

Im Jubiläumsjahr der Reformation standen bei den meisten Veranstaltungen logischerweise Luther und seine Thesen im Vordergrund. Wie die katholische Kirche auf diese Thesen und die sich darauf entwickelnde Reformation reagierte und wie es ihr gelang, die von Luther zu Recht angesprochenen Missstände in den Griff zu bekommen, war das Thema eines interessanten Vortragsabends im Kirchort St. Klara.

Bei gutem Besuch (auch von evangelischen Christen) ging der Referent Herr Büskens von der katholischen Erwachsenenbildung zunächst auf die Reformation ein. Sie begann sichtbar mit dem Thesenanschlag von Martin Luther in Wittenberg 1517. Hier prangerte Luther Missstände in der Kirche an, insbesondere den Ablasshandel, wobei es ihm zu diesem Zeitpunkt nicht um die Begründung einer eigenen Konfession, sondern zunächst nur um die Beseitigung der zahlreichen Missstände in der Kirche ging. Vor dem Reichstag zu Worms sollte Luther seinen Thesen abschwören, was er nicht tat. Trotz des verhängten Acht gegen Luther passierte ihm nichts, weil Friedrich, der einflussreiche Kurfürst von Sachsen, ihn beschützte und auf der Wartburg versteckte.

So konnte sich die neue Lehre unterstützt von der neu aufkommenden Buchdruckerkunst im gesamten Reich, aber insbesondere in Norddeutschland, ausbreiten. Teilweise erfolgte sowohl die Ausbreitung ebenso wie die Unterdrückung der Reformation auch mit Gewalt. Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 sollte Ruhe im Heiligen römischen Reich deutscher Nation schaffen. Tenor des Beschlusses war: „wes das Land des die Religion“, d.h. der Fürst bestimmte die Konfession seiner Untertanen. Wer eine andere Religion als sein Fürst hatte, konnte entweder konvertieren oder auswandern. Mit diesem Beschluss wurde erstmals die reformatorische gleichberechtigt neben der katholischen Konfession anerkannt.

Die innerkirchliche Gegenreformation/Erneuerung wurde vorbereitet durch führende Persönlichkeiten dieser Zeit; angefangen von Erasmus von Rotterdam, der als Theologe und Humanist sich bereits vor Luther für innere Reformen in der Kirche einsetzte, allerdings mit wenig Erfolg; sowie von Ignatius von Loyola dem Gründer des Jesuitenordens, der sich um Ausbildung von Priestern und Laien aber auch um soziale Aspekte kümmerte. Außerdem erarbeitete er Regeln für Exerzitien, die noch heute angewendet werden. Der Jesuitenorden entwickelte sich zur „Speerspitze“ der Gegenreformation. Nicht zuletzt gingen von Petrus Canisius, der in einem Katechismus die katholischen Antworten auf Luther zusammenfasste, starke Impulse für eine Reformation der katholischen Kirche von innen aus.

Auf Drängen des damaligen Kaisers Karl V. wurden im Konzil zu Trient Reformen für die katholische Kirche beschlossen. Das Konzil dauerte in drei Sitzungsperioden von 1545 bis 1563. Beschlossen wurden zur Verdeutlichung dessen, was katholische Lehre bedeutet Dekrete über Erbsünde und Rechtfertigung vor Gott, sowie zu den geistlichen Weihen. In der 2. Sitzungsperiode zur Liturgie und zur Buße sowie im dritten Teil zur Kommunion unter beiderlei Gestalten, Lehre vom Messopfer, Bestimmungen über Ablässe (nicht mehr gegen Bezahlung), Einrichtung von Priesterseminaren, Stellung des Hochaltars als sichtbares liturgische Zeichen, Tabernakel, Einführung des geschlossenes Beichtstuhls, Bestuhlung des Kirchenraums sowie Hochzeiten nur vor Pfarrern im Beisein von 2 Zeugen.

Als weiteres Ergebnis de Konzils wurde die Stellung des Papstes innerhalb der Kirche gestärkt und gleichzeitig wuchs die Autorität der Bischöfe. Die Häufung von Pfründen/Stellen wurde verboten. Die Residenzpflicht (Wohnsitz im Amtsbereich) wurde verstärkt, eine gediegene Ausbildung des Klerus in den neu gegründeten Priesterseminaren wurde eingeführt ebenso wie Visitationen durch die Bischöfe. Papst Pius V. reformierte das Kardinalskollegium führte zusätzliche Visitationen und Synoden ein und den römischen Katechismus, das römische Messbuch und das Breviergebet für den Klerus. Der Papst verbot auch den Kauf geistlicher Titel und Ämter und erneuerte den päpstlichen Hof (die Kurie). Im Gefolge reformierten sich auch die großen Ordensgemeinschaften.

Mit einem kurzen Überblick über die heutigen Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede  der großen christlichen Religionen und Beantwortung von Fragen endete der Abend.

Text: Renz
Foto: Dr. Wolfgang Rollig

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